Der Abschied naht...

Freitag, 29.08.2014

Jetzt ist es soweit, mein letzter Praktikumstag ist angebrochen und morgen geht es los auf grossen Roadtrip. Was ist komisch, dass jetzt schon alles vorbei sein soll, bin doch gerade erst angekommen...

In der letzten Woche faellt einem immer noch so viel ein was man noch machen moechte und sehen muss, ausserdem ist man schon fleissig am planen fuer das naechste Abenteuer. Fuer alles bleibt keine Zeit, aber da merkt man erst, was einem wichtig ist.

Vor einer Woche sind meine ehemaligen Komilitonen Ina und Toby auf ihrer USA Rundreise in San Francisco gelandet und gleich an ihrem ersten Abend haben wir die verpasste Zeit aufgeholt und uns gegenseitig auf den neusten Stand gebracht. Freitag hatte ich nur einen halben Tag und konnte so den beiden die groessten Sehenswuerdigkeiten der Stadt zeigen. Wir sind an der Powell Street gestartet und den ganzen Embarcadero lang bis zum tourismus Magnet Pier 39. Dort haben wir uns zwischen die anderen Touris gequetscht und die Seeloewen bewundert, dann ging es weiter zum Palace of Fine Arts und natuerlich zur Golden Gate Bridge. Von dort aus ging es zum Park und zum Centurm von Peace und Love dem Stadtteil Haight und Ashbury. Die Painted Ladies am Alamo Square durften auch nicht fehlen. Auf den Union Square beschlossen wir was essen zu gehen und den Abend gemuetlich ausklingen zu lassen. Es war schoen so kurz vor meinem Ende hier nochmal eine typische Touristen Tour durch die Stadt zu machen.

Am naechsten Tag haben wir uns ein Auto gemietet und sind zum Yosemite National Park gefahren, diesmal bei schoenem Wetter. Aber es wird ja nicht das letzte Mal fuer mich gewesen sein, da mein Roadtrip mich noch einmal dorthin zurueckbringt. Am Abend haben wir dann fuer ein paar Fotos an den Marin Headlands gehalten um einen schoenen Blick auf die Golden Gate Bridge bei Nacht werfen zu koennen und auch die beruehmte Lombard Street durfte nicht fehlen. Danach sind wir alle total erschoepft ins Bett gefallen.

Mein schlaf hielt aber nicht lange an, da es um ca 3:30am anfing zu schwanken und zu wackeln. Das Erdbeben war so stark, dass wir uns in den Tuerrahmen stellten. Alle Schranktueren sind aufgegangen, aber zum Glueck ist nichts schlimmers passiert und wir sind nach kurzer Zeit wieder ins Bett gewankt.

Das ereignisreiche Wochenende ging fuer mich mit einem American Football Game von den San Francisco 49ers und den San Diego Chargers in Santa Clara weiter. Die Sonne brannte im Genick, aber das stoerte mich nicht, da ich super Plaetze hatte und ganz nah am Geschehen war und durch Martha, die ich vor Ort kennengelernt habe und die schon ihr Leben lang zu fast allen Spielen geht, habe ich einige Spieler und Reporter kennenlernen koennen. War ein super Tag, der Abgerundet wurde mit einem Heimsieg und 4 Touchdowns.

Gestern war ich dann als Pandon dazu mit Alba und dem franzoesischem Intern Flo im AT&T Park und habe mir ein Baseball Game der San Francisco Giants und den Colorado Rockies angesehen. Auch hier wieder ein Heimspieg, aber ich muss sagen, es war mal interessant zu sehen, aber mein Sport ist es nicht gerade...Sehr langwirig und nicht viel aktion.

Abends war ich dann nochmal am Embarcadero um ein paar Nachtaufnahmen von der Bay Bridge zu machen und die neue Installation zu bewundern.

Ein Freund von Eva, meiner Vermieterin, aus Oesterreich ist vor ca einer Woche zu Besuch gekommen und wird mein Zimmer uebernehmen, wenn ich weg bin. Seit er da ist haben wir viele Stunden in der Kueche verbracht und uns sehr gut unterhalten in einer Mischung aus Deutsch und Englisch.

Am Mittwochabend haben die beiden mich zum Essen an der Beachfront eingeladen und es wurde ein richtig gemuetlicher und unterhaltsamer Abend, wo Eva mal mit ihren Deutschkenntnissen auftrumpfen konnte. Spaeter sind wir dann noch auf die Twin Peaks gefahren, aber leider hat der Nebel uns einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Werde heute nochmal mit allen Essen gehen und dann ist auch schon der Moment des Abschieds gekommen...ein trauriger Tag. Hatte hier sehr viel Spass und hab neue Freunde gewonnen. Aber irgendwann geht nun mal alles zu Ende. Vielleicht schaff ich es ja nochmal in den naechsten Jahren wieder her zu kommen und alle zu besuchen.

Ein gutes hat das ganze ja, ich kann endlich los und durch die USA reisen. Wird bestimmt ein tolles Erlebnis mit vielen neuen Eindruecken und Bildern. Versuche mich zwischendurch mal zu melden, aber weiss nicht, ob die Zeit reicht oder ich Internet haben werde.

Drueckt mir die Daumen, dass alles gut laeuft und mir keine Tehani Tage in die Quere kommen. Sehen uns alle in nicht mal einem Monat wieder.

Regen in der Duerre und Natur, die mit einem kuscheln will

Mittwoch, 13.08.2014

Das war wohl nichts mit den guten Vorsaetzen, aber so ist das doch immer...die Zeit rennt. Inzwischen war ich auf meinem ersten Roadtrip. Von San Francisco aus bin ich den malerischen Hwy 1 runter Richtung Los Angeles gefahren ueber Santa Cruz und Monterey. Dort hab ich kurz Stop gemacht und mir das bekannte Aquarium angesehen. Wusste gar nicht, das Quallen so schoen sein koennen auch wenn ich nicht unbedingt gerne mit ihnen ins Becken gestiegen waere

Ueber den kurvenreichen Big Sur bin ich an der Kueste lang nach San Simeon gekommen, das eigentlich nur aus einer Strasse besteht. Aber sehenswert ist fuer sein Hearst Castle auf dem Huegel. Das „Kunstwerk“ wurde von dem Publizist William Hearst vor ca 50 Jahren erbaut. Es ist eine Mischung aus spanischen Kirchen, mittelalterlichen Burgen und zu seiner Zeit modernen Installationen. Dort wurden rauschende Feste von Stars und Sternchen gefeiert, die alle gerne die Gastfreundschaft der Familie Hearst in Anspruch nahmen.

Weiter ging es landeinwaerts Richtung Sequoia National Park und Kings Canyon. Das Wetter hat schon an der Kueste nicht richtig mitgespielt aber hier konnte man sich nie sicher sein. In einem Moment waren es ueber 30 Grad und Sonnenschein und im naechsten Moment fielen die Temperaturen um 20 Grad und es regnete. Aber dadurch hatte ich die National Parks fast fuer mich alleine, was eigentlich sehr angenehm war. Ich habe Rehe, Eichhoernchen, Streifenhoernchen und den Sherman Tree (der aelteste noch stehende Baum auf der Welt) gesehen. Im Kings Canyon bin ich einem Wildwasserfluss gefolgt und kam zu den Grizzy Falls, aber allein schon die Strecke dorthin war echt sehenswert, auch wenn man nicht zu viel gucken darf, da man ganz schnell in den Canyon gestuerzt ist, wenn man nicht aufpasst.

Von dort ging es weiter in den wohl bekanntesten National Park von Californien den Yosemite. Das merkte man schon deutlich an dem touristischen Zuwachs, aber wenigstens war das Wetter nun besser gelaunt und zeigte sich von seiner schoeneren Seite. Natuerlich habe ich mir die bekannten Sehenswuerdigkeiten wie Point Glacier, El Capitan und den Half Dome angesehen, aber fuer mich waren die unbekannteren kleinen Nebenstrecken viel schoener und intersanter, wie z.B. Point Olmstead und Lake Tanaya.

An dem See habe ich dann auch mein Nachtlager aufgeschlagen, da es echt malerisch war. Man musste nur eine kurze Strecke durch den Wald laufen, um zum See zu gelangen. Ich habe mir was zu lesen und ein kleines Abendbrot eingepackt und bin losgelaufen. Irgendwie habe ich mich ein wenig in das Buch vergraben, deswegen habe ich nicht mitbekommen, dass es schon so dunkel geworden war. Ploetzlich hoerte ich ein lautes schlabber Geraesch hinter mir am Ufer. Ich drehte mich erschrocken um und seh einen Baeren ungefaehr 6 Meter von mir entfernt im Mondlicht was trinken. Keine Ahnung, was ich tun sollte, blieb ich wie angewurzelt sitzen und wartete, bis dieser im Wald verschwand. Nach einiger Zeit ohne verdaechtige Geraeusche machte ich mich auf den gruseligen und holperigen Weg zurueck zum Auto. Im Wald begegnete ich dann zum Glueck nur einem Reh, von dem Baeren war nichts mehr zu sehen. 

Am naechsten Tag machte ich mich auf in Richtung Lake Tahoe, von dem ich schon viel schoenes gehoert habe, aber als ich ankam muss ich sagen war ich doch etwas enttaeuscht. Total die Touristen Hochburg und nichts von malerischer Ruhe und Entspannung und auch konnte ich keinen Zugang zur wunderschoenen Emerald Bay finden. Irgendwie war das nicht so ganz mein Tag und deswegen bin ich dann lieber eine Runde schwimmen gegangen. Ueber South Yuba State Park bin ich dann Richtung Napa Valley gefahren. Als ich einen kleinen Stop an Yuba River eingelegt habe, war es dann doch etwas viel mit der Natur und eine Biene hat mich in die Hand gestochen. 

Ich habe mir einen wunderschoenen Sonnenuntergang am Stausee angesehen und kurzerhand entschlossen einfach dortzubleiben und die Aussicht auch im Morgengrauen zu geniessen. Von Napa und Sonoma Valley hatte ich mir irgendwie mehr versprochen, aber vielleicht bin ich durch meine Zeit im Grandhotel Schloss Bensberg auch zu sehr verwoehnt. Sehr viele Weinreben konnte ich nicht entdecken, nur ab und zu einen kleinen Huegel voll. Dafuer, dass die hier so unendlich viel Platz zur Verfuegung haben, schraenken sie sich ganz schoen ein. Aber Napa ist ein niedliches Staedtchen, das an einem Fluss liegt.

Nun war meine Woche auch fast schon wieder vorbei und ich machte mich auf den Weg zurueck in die Bay Area, nach Point Reyes. Die Luftdruckveraenderung bekam mir nicht so gut und ich musste nach den ganzen Serpentinen eine kleine Pause einlegen. Das Wetter war wiedermal typisch in der Naehe vom Meer, grau, diesig und windig. Aber das kenn ich ja von zuhause, deswegen war das nicht so schlimm, ausser, dass die Fotos dann nicht gerade einladend aussehen. Hoehere Macht, kann man nichts machen... 

Als groenender Abschluss meines kleinen Trips bin ich ueber die Golden Gate Bridge gefahren und hinauf auf die Twin Peaks, um die Stadt zu ueberblicken.

Ich unternehm ja noch einen Roadtrip mit Start und Ziel San Francisco und wenn das Wetter an diesen Tagen schoener sein sollte, dann werd ich den letzten Teil dieses Roadtrips wiederholen.

Vor ein paar Wochen bin ich aller fruehe aufgestanden, um alle Cable Car Linien zu fahren. War ein schoenes Erlebnis, als die Sonne aufging und die Lombard Street in goldenes Licht tauchte. Auch konnte ich Zeuge einer Verfolgungsjagd den Nob Hill rauf und runter verfolgen. War super interessant zu sehen, wie so eine Szene fuer einen Action Film gedreht wird, auch wenn das Auto nicht gerade nach Luxusschlitten aussah, wird wohl nicht der neue Fast and Furious Film sein 

Im Kino war ich auch und ich muss sagen, es ist doch ein etwas anderes Erlebnis hier ins Kino zu gehen. Die Sitze waren super gemuetlich und man konnte sich fast mit ihnen hinlegen. Von den Portionsgroessen, muss man glaub ich gar nicht erst anfangen. Hab mir ein kleines Getraenk geholt und was bekam ich? Die groesste Groesse, die es in Deutschland gibt...aber hier ist ja alles etwas groesser.

Hab jetzt auch die letzten Ecken von San Francisco erkundet und manche Plaetze nochmal besucht, diese Stadt hat echt viel zu bieten und wird nie langweilig. Letztes Wochenende war ein grosses Open-Air Festival im Golden Gate Park mit richtig cooler Musik und naechte Woche werde ich Beyonce treffen und ein kurzes Interview mit ihr fuehren koennen, bin schon ganz nervoes... 

Jetzt hab ich keine 3 Wochen mehr zu Arbeiten und nur noch 6 Wochen ueberhaupt in den USA. Werd es ganz sicher vermissen, wenn ich wieder im Altagstrott der Uni stecke, aber ich werde auf jedenfall wiederkommen. Es gibt noch so viel zu sehen und zu tun.

Vielleicht schaff ich es noch euch ein kurzes Update zukommen zu lassen bevor ich meinen Roadtrip #2 starte. Werde meine letzten Tage hier geniessen, wenn ich nicht gerade daran sitze meinen Praktikumsbericht fuer die Uni zu schreiben. (Derjenige, der sich das ausgedacht hat sollte bestraft werden. Kann man den Bericht nicht schreiben, wenn man wieder zurueck an der Uni ist?)

Backstage mit Pride, Independence, Earthquake und Campus

Dienstag, 08.07.2014

Ich weiss es ist schon wieder lange her, dass ich mich gemeldet habe, aber die Zeit rennt, ohne das man es merkt und es gibt so viel zu sehen...

Die Arbeit ist immernoch super, ich versteh mich mit allen und wir machen uns hier die Zeit richtig gemütlich. Seit die WM angefangen hat, haben wir jedes Spiel im Büro gesehen und haben sogar für die USA Spiele einen Teil einer Sportbar gemietet. War noch nie zuvor betrunken auf der Arbeit, aber kann auch mal ganz lustig sein. Leider ist die USA jetzt ja raus, aber für Deutschland wird hier auch kräftig mitgefiebert, was kein Wunder ist, da wir alle Wetten abgeschlossen haben auf den Ausgang der Spiele.

Super ist, dass jeder der eine andere Nationalität besitzt einen Freipass bekommt, wenn sein Team spielt, was auch mal bedeuten kann, dass man früher nach Hause gehen darf  Aber genug von Fussball, auch wenn das gerade heute schwerfällt zum Halbfinalspiel gegen Brasilien

An meinem Geburtstag (man glaubt es kaum, dass ist schon wieder einen Monat her; wo ist die Zeit geblieben?) haben mich meine Kollegen zum Essen eingeladen (karibisch). Ein wunderschöner sonniger Tag, Mimosas, Kokoshühnchen und viel gelächter - was will man mehr? Auf ein mega geniales Konzert gehen und mit den Musikern ein Bierchen trinken! Klar, gesagt getan.

Nach dem tollen Essen bin ich nach Stanford an die Eliteuniversität gefahren. Nicht vergleichbar mit meinem Campus, in Stanford konnte man die Geschichte riechen und man kam sich sofort intelligenter und bedeutender vor. Ein paar Studenten haben mich rumgeführt und haben mir auch die verwinkelsten Ecken gezeigt, was richtig super war, aber dann musste ich auch wieder los, um rechtzeitig nach Mountain View zu kommen, wo das Open-Air Konzert von American Authors, The Script und OneRepublic stattfinden sollte.

    

Nach einem kleinen Spaziergang durchs grüne, bin ich am Amphitheater angekommen, musste aber trotz meines Presseausweises meine heiss geliebte Kamera abgeben  Das tat der Stimmung aber keinen Abbruch. Ich muss sagen, dass war das beste Konzert auf dem ich je war. Ganz anders als in Deutschland, die Menschen sind richtig abgegangen und auch die Musiker hatten ihren Spass. Nach dem Konzert bin ich zum Bühneneingang und wurde auch gleich reingelassen und zum Bandraum von OneRepublic gebracht. Man war ich aufgeregt, aber es sollte ja schliesslich nicht mein erstes Interview sein das ich geführt habe, seit ich in San Francisco bin.

Die Tür ging auf und da waren alle Mitglieder von allen drei Bands auf einem Haufen und unterhielten sich lautstark. Ich wurde super nett empfangen und als sie mitbekamen, dass ich Geburtstag hatte, holten sie doch gleich ein Bier raus, stiessen mit mir an und gaben mir ein kleines Geburtstagsständchen. Ich dachte ich träume, die sind alle super freundlich und richtig auf dem Boden geblieben, sie behandelten mich, als ob ich eine alte Freundin wäre. Nachdem Interview durfte ich noch bleiben und ein bisschen mit ihnen abhängen, bis sie losmussten.

 

Pech für mich war nur, dass es inzwischen nach 2 Uhr Nachts war und keine Verkehrsmittel mehr fuhren. Aber zu meiner Rettung kam Bill, den ich vorher kennengelernt hatte, als ich meine Kamera abgeben musste. Er fuhr mich nach Palo Alto, wo ich in den Nachtbus nach San Fran einsteigen konnte. Diese Busfahrt war definitiv...interessant. Ihr wollt nicht wissen, was und wer in einer Grossstadt Nachts Bus fährt, aber ich bin heil in meinem Bett gelandet, wenn auch nicht für lang. Das ganze Wochenende war einmalig. Ich war mit Freunden unterwegs und die Amerikaner wissen wie man feiert!

Inzwischen war ich auch im Lands End Park und hab mir die Sutro Baths, die Legion of Honor und einiges mehr angesehen. Dieser Ausflug war mit über 500 Treppenstufen gepflastert und anderen Unwegsamkeiten, aber ich hab es geschafft, auch wenn die ganzen Jogger, locker an mir vorbeigeflogen sind, aber die machen das ja auch schliesslich jeden Tag.

Eva, meine Vermieterin, ist fast nie zuhause und so hab ich die ganze Wohnung für mich allein und wenn sie mal da ist, dann kocht sie für mich und wir haben super Konversationen. Inzwischen ist der niederländische Praktikant Tom wieder zurückgeflogen, aber dafür haben wir jetzt Sally und Ron aus Hong Kong und Flo aus Frankreich bei uns. Wir haben schon ein bisschen was zusammen unternommen, auch wenn ich glaube das Flo im Moment zumindest nichts mit einer Deutschen zu tun haben will, nachdem wir sie aus der WM geschmissen haben 

Vor ein paar Wochen war ich in Berkeley und hab mir auch da die Uni angesehen. Ein riesen Campus, komplett rauch frei und an einem Hang gebaut. Leider konnte ich keine guten Bilder vom Stadion machen, obwohl ich schon auf einen sehr steilen Hang geklettert bin und mir dabei das Kleid zerrissen habe, aber man kann ja nicht immer alles haben. Ich wurde von ein paar Studenten eingeladen und war sogar in einem von den Verbindungshäusern, die man so aus den Filmen kennt und ich muss sagen, dass die in den Filmen schon ganz gut getroffen sind. Zum Party machen genau richtig, aber in so einem Haus wohnen möchte ich dann doch nicht. Ich bin ganz zufrieden mit meiner kleinen Studentenbude in Heide.

  

Kurz bevor ich wieder zurück nach SF fahren wollte hat mich ein Polizist ausversehen mit seinem Schlagstock angerempelt. So kamen wir ins Gespräch und ich weiss nicht mehr genau wie, aber am Ende hatte ich seine Waffe in der Hand. Nicht so wie ihr denkt! Nur zum angucken, aber die Waffen aus den Filmen sehen irgendwie echter aus, als die echten. Die wirkte irgendwie billig aus Plastik, aber ich hatte trotzdem grossen Respekt und war auch leicht überrascht. Welcher Polizist legt einem Touristen seine Waffe in die Hand? In Deutschland bestimmt niemand.

Ein Wochenende vor Independence Day (4th of July), war das grosse Pride Wochenende. Die Pride ist hier in SF entstanden, genauso wie die Hippie-Bewegung. In Deutschland wird es CSD genannt, aber im Endeffekt ist es das gleiche, auch wenn es hier um einiges grösser ist. Niemand ist an diesem Wochenende sicher. Du kannst die verrückstesten Sachen anziehen und tun und lassen was du willst. Egal ob Männlein oder Weiblein, jeder wird dich angrabschen oder abknutschen.

Am Samstag war Pink Saturday, was eine riesige Streetparty im Stadtteil Castro ist. Ich hatte meinen Spass, bis irgend so ein Idiot eine Rauchbombe mitten in die Menge werfen musste, aber das war zum Glück nicht so schlimm wie es sich anhört, ausser, dass man etwas Husten musste. Am nächsten Tag war die Parade, die aber irgendwie langweilig war.

Inzwischen habe ich auch ein kleines Erdbeben gehabt und unglücklicherweise war ich gerade in der U-Bahn und die dann auch promt mal stecken blieb, so dass wir im Tunnel alle aus der Bahn klettern durften und bis zur nächsten Stadtion laufen mussten. Nicht unbedingt zu empfehlen, ich sah danach aus wie ein Grubenarbeiter.

Vom Independence Day Feuerwerk konnte man in San Francisco leider nichts sehen, da der Nebel einen Strich durch die Rechnung gemacht hat, aber es war gut für mich, da ich zuhause geblieben war, weil es mir nicht so besonders ging und ich ein ruhiges Wochenende eingelegt habe. Im Moment scheint das auch der beste Ort in SF zu sein, da es seit Freitag 7 Morde in verschiedenen Stadtteilen gegeben hat und Sonntagabend direkt bei mir um die Ecke. Keiner weiss, ob das ein Täter war, oder verschiedene. Auf jedenfall ein bisschen gruselig, aber bei meinem Glück ist das ein Irrer, der durch die Strassen zieht. Auf der anderen Seite sind nur Männer erschossen worden, also braucht ihr euch um mich keine Sorgen zu machen 

Langsam fange ich ernsthaft an meine verschiedenen Roadtrips nach meinem Praktikum zu planen. Ist ja nicht mehr lange hin und die Zeit rennt, einmal Blinzeln und ich bin schon wieder in Deutschland im Alltagstrott. Geniesst den Sommer, wie ich es auch tue und hoffentlich bis bald. Ich werde versuchen mich schneller wieder zu melden, damit das nicht wieder so ein Roman wird 

Sightseeing, Konzerte und Ausraster

Samstag, 31.05.2014

Wow, es ist schon wieder ein Monat vergangen, kann es kaum glauben wie schnell die Zeit vergeht… Der Alltag holt einen doch schneller ein als gedacht. Mein Englisch wird von Tag zu Tag besser und meine geschriebenen Texte werden kaum noch korrigiert. Inzwischen habe ich schon mehrere Interviews mit Künstlern und Bands geführt und das hat richtig spaß gemacht, als nächstes freue ich mich nächsten Freitag an meinem Geburtstag One Republic und The Script zu treffen und vorher das Open-Air Konzert in der Bay Area zu genießen. 

Die Abteilung hab ich zwischendurch auch gewechselt zum Eventbereich. Alle sind immer noch richtig freundlich und man hat seinen Spaß auf der Arbeit, auch wenn mir alle immer sagen ich soll langsamer arbeiten (?). Das soll man mal verstehen, sowas würde ein Chef in Deutschland nie verlangen.

Sowas gäbe es in Deutschland auch nie

Ich bin schon viel rumgekommen in SF. Ich war am Alamo Square, wo die bekannten viktorianischen Häuser stehen, oder auch Painted Ladies genannt; bin einmal quer durch den Golden Gate Park gelaufen; war am Strand und hab diesen halb mit nach Hause genommen, vor allem in meinen Taschen, Schuhen und Haaren ; der Golden Gate Bridge, von der es mich fast runtergeweht hat; im Mission District, dem Künstlerviertel mit dem bekannten Dolores Park; Treasure Island, eine riesige Naval Base mit einer super Sicht auf SF; Presido Park, Mosaik Steps und Alcatraz, die Gefängnisinsel.

Alamo Square   Dolores Park Mosaik Steps Mosaik Steps Mosaik Steps Golden Gate Bridge

Aber es ist immer russisch Roulette mit dem Wetter, man hat keine Ahnung was man anziehen, oder ob man die Kamera mitnehmen soll. Deswegen ist man hier eigentlich immer unpassend angezogen, besonders kommt es auch darauf an, wo man sich in SF aufhält. An der Küste, dem Strand, großen Hügeln, den Brücken und Inseln ist es immer kühl und windig, aber wenn man sich in der Innenstadt oder im Park aufhält ist es meist heiß.

Auch das einkaufen gehen ist hier etwas gewöhnungsbedürftig. Manche Deo- und Shampoo Sorten sind in einem Schrank eingeschlossen und man muss einen Angestellten fragen ob er ihn für einen aufschließt. Also ob das wertvolle Gegenstände wären die ständig geklaut werden, Parfüm könnte ich ja noch verstehen, aber Deo? Deo und Shampoo sind mehr oder weniger die einzigen Pflegeprodukte, die man in einem normalen Supermarkt finden kann für alles andere muss man in Spezial Geschäfte, vielleicht macht dies diese Produkte so wertvoll. Allerdings haben sie hier eine riesen Auswahl an Schuhen, sogar bis Größe 46 (wohlgemerkt Frauenschuhe ).

Mitte Mai war ich auf einem Couchsurf Picknick im Golden Gate Park, wo sich fast 150 Leute aus 23 Nationen getroffen haben. Das war echt ein lustiger Nachmittag mit tollen Unterhaltungen und einer sehr merkwürdigen Form von Fußball (die Füße wurden zusammengebunden und man konnte nur hoppeln). Später bin ich mit mehreren Leuten afrikanisch Essen gegangen. Man kann hier echt jede Art von Essen finden, sogar Spezialitäten aus den ausgefallensten Ländern, aber typisch amerikanisches Essen zu finden ist gar nicht so leicht. Hier wird viel Essen gegangen, eigentlich immer, wenn man was Warmes möchte, da hier das Essen gehen günstiger ist, als sich zuhause selbst was Richtiges zu kochen.

Couchsurf Picnic Bay to Breakers

Ich hatte das Glück hier zu sein, während des Bay to Breakers Wochenende. San Francisco ist bekannt für dieses Rennen. Es startet Downtown an der Bay und führt quer durch die ganze Stadt bis zum Strand. Allerdings ist dieses Rennen nicht normal, denn die Leute laufen in verrückten Kostümen oder ganz nackt durch die Stadt, während andere am Rand stehen und sich gemütlich das Spektakel mit einem Bierchen ansehen und die Leute anfeuern.

Eigentlich habe ich immer gehört, dass die Amerikaner prüde sein sollen, aber das trifft definitiv nicht auf die Leute in San Francisco zu. Wer nackt durch die ganze Stadt läuft und Pornos in einer normalen Bar laufen lässt, dass nenn ich gar nicht prüde. Aber mir wurde auch gesagt, dass SF die liberalste Stadt in ganz Amerika ist, immerhin startete hier die Hippie Bewegung. Castro ist ein Stadtteil, wo nur Schwule und Lesben wohnen und Geschäfte haben, um da hin zu ziehen muss man sogar irgendwie nachweisen, dass man ihnen angehört. Dafür können sie tun und lassen was sie wollen und sich dabei sicher fühlen. Das ganze Stadtviertel ist lebensfroh und sehr bunt gestaltet und ein sehr angesagter Bereich um Feiern zu gehen .

Allerdings bedeutet feiern gehen hier bis 2 Uhr und dann ist Schluss, da dann von Gesetzes wegen alle Bars und Clubs schließen. Aber dafür fangen sie hier schon um 19 oder 20 Uhr an, was etwas merkwürdig für mich ist, da es da ja draußen noch hell ist, aber man gewöhnt sich schnell an alles.

Letzte Woche hatten wir ein verlängertes Wochenende durch Memorial Day, was ich auch direkt ausgekostet habe.  Auch wenn das bedeutet hat, dass ich mir schon wieder einen Sonnenbrand zugezogen habe (muss an dem Wind hier liegen, dass man nicht merkt wie stark die Sonne ist). Memorial Day fiel dieses Jahr mit Karneval zusammen. Nicht das Karneval wie wir es kennen, mehr die brasilianische Variante (Samba und wenig Kleidung).

Irgendwie muss die Sonne an diesem Wochenende manchen Leuten in den Kopf gestiegen sein, denn viele benahmen sich etwas merkwürdig. Bei der Parade am Sonntag meinte ein ekliger Kerl sich an mir reiben zu müssen, bis die Leute neben mir eingeschritten sind, ehe ich was machen konnte.  Dann auf dem Weg zur Golden Gate Bridge war der Highway extrem verstopft und nichts ging mehr, bis der Busfahrer einfach beschloss eine andere Strecke zu fahren und mit uns eine kleine Spritztour durch die Luxus Viertel der Stadt zu unternehmen und am Strand lang zu fahren, bevor er über Schotterwege durch den Presido Park irgendwie zur Brücke gelangte und schlussendlich abends auf meinem Weg nach Downtown ist der Straßenbahnfahrer ausgerastet und hat alle beschimpft über seinen Lautsprecher und das eine ganze Stunde lang…vielleicht war er sauer, dass er sonntags arbeiten musste oder er hat zu viel Sonne abbekommen.

Aber das scheint hier fast normal zu sein, dass die Leute sich hier auf offener Straße fetzen wie nichts Gutes. Gestern war ich auf der Gefängnisinsel Alcatraz und habe mir die preisgekrönte Audiotour angehört, während ich in die Vergangenheit gereist bin und mir ein paar Drehplätze von dem Hollywoodfilm The Rock mit Sean Connery und Nicolas Cage angesehen habe.

Alcatraz

Als wir wieder an Land waren nach einer rauen Fährfahrt, wollte ich eine von den historischen Straßenbahnen in die Innenstadt nehmen, da ich an dem Tag schon ziemlich viel gelaufen war und meine Füße langsam weh taten. Nachdem zwei Bahnen wegen Überfüllung nicht anhielten, hatte ich Glück bei der dritten, auch wenn ich einen kleinen akrobatischen Stunt hinlegen musste, um noch ein Plätzchen zu finden. Aber nach einer Haltestelle war das ganze schon wieder vorbei, da die Bahn vor uns liegen geblieben war und nicht weiter fahren konnte, was bedeutet keiner kann weiter fahren. Da ist eine von den Fahrgästen ausgerastet und ist auf den Fahrer losgegangen was so schlimm wurde, dass ein paar Touristen dazwischen gehen mussten, bevor sie mit übelsten Schimpfwörtern um sich keifend davonzog.

Als ich dann mit der ganzen Straßenbahnmeute loszog Richtung Innenstadt sprach mich ein Obdachloser an, als ich fast meine Station erreicht hatte. Er war nur auf zerlöcherten Socken unterwegs und fragte mich nach ein paar Dollar damit er sich neue Socken kaufen könnte. Es wird hier abends verdammt kalt und da ein paar Meter weiter ein Herrenausstatter war, nahm ich ihn kurzerhand mit rein und kaufte ihm ein paar Socken und einfache Schuhe. Das strahlen auf seinem Gesicht hättet ihr sehen sollen, wie ein kleines Kind, wenn Ostern, Weihnachten und Geburtstag auf einen Tag fallen. Dachte das war besser als ihm Geld in die Hand zu drücken und so wie meine Füße sich zu dem Zeitpunkt fühlten, wusste ich, dass seine es ihm danken werden. 

So das muss erstmal wieder reichen, da ich schon wieder spät dran bin, um mich mit Freunden in der Stadt zu treffen. Versuche bald wieder zu schreiben und euch auf dem Laufenden zu halten so gut ich kann. 

Sonnenbrand, Regenschauer und eine kleine Tanzeinlage

Samstag, 26.04.2014

Euer Daumen drücken hat geholfen, ich hab das Zimmer bekommen was ich wollte.  Ich wohne jetzt 27th Ave und Irving, was der Stadtteil Central Sunset ist. Einen Block vom Golden Gate Park, nur ca. 10 Blocks vom Pacific (man kann ihn fast riechen) und 2 Blocks entfernt von einer Einkaufsmeile mit ganz vielen Restaurants und Geschäften, auch wenn diese sehr asiatisch geprägt sind. Meine Vermieterin ist ein richtiger Schatz und kümmert sich liebevoll um mich. Sie hat sich sogar nur für mich Internet angeschafft, damit ich mit der Welt verbunden bleiben kann.

  Mein Zimmer Mein Zimmer

Das Wochenende bevor mein Praktikum anfing hab ich ziemlich ruhig angehen lassen, da mich dann doch ein bisschen der Jetlag eingeholt hat, aber Sonntag war einfach so fantastisches Wetter, dass es mich nach draußen gezogen hat.

Zuerst hab ich mir meinen Arbeitsplatz angesehen, damit am nächsten Tag auch ja nichts schief gehen kann ;) Meine Haltestelle liegt direkt am Baseball Stadium AT & T Park, wo die SF Giants gerade ein Spiel hatten (und gewannen). Gut gelaunt hab ich mich mit der Meute mitreißen lassen und bin The Embarcadero hinunter geschlendert. The Embarcadero ist sowas wie eine Küstenflaniermeile an der Bay entlang bis hoch zum Fisherman´s Wharf. Ich kam an der Bay Bridge und dem Ferry Building vorbei, aber das tollste war, dass ich einen kurzen Blick auf einen Wal werfen konnte, der sich in die Bay verirrt hatte.

Baseball Stadium BaseballFerry Building Embarcadero  Firestation Embarcadero Bay Bridge Bay Bridge Bay Bridge

Am Montag ging dann endlich mein Praktikum los, gespannt was mich erwarten würde kam ich überpünktlich an. Ich wurde super lieb begrüßt von Fraser (später fand ich heraus, dass er der Chef ist, auch wenn er nicht so aussieht und noch relativ jung ist), der mich an Alba übergab (mein Supervisor). Nach einer kurzen Einführung und noch ein bisschen Papierkram (also ob das im Vorfeld nicht genug gewesen wäre…) kam noch ein Praktikant (Tom aus den Niederlanden) und Lauren (Abteilungsleiterin Editorial) in den Konferenzraum und sie erklärte mir das System mit dem sie arbeiten und was meine erste Aufgabe sein wird.

Nachdem ich meinen Schreibtisch bekommen und meine Kopfhörer aufgesetzt hatte (alle hier hören Musik bei der Arbeit) konnte es losgehen. Die Arbeitsatmosphäre ist super, jeder ist richtig freundlich und hilfsbereit. Alle arbeiten nach ihrem eigenen Rhythmus, was heißt jeder geht dann in die Pause wann er möchte. Wenn man nicht mehr auf den PC starren kann, dann spielt man eben mal ein kleines Tischtennismatch mit jemand und geht dann wieder an die Arbeit oder man spielt eine runde mit Chester (einem super lieben Hund, den Simone, meine Tischnachbarin, jeden Tag mit zur Arbeit bringt).

Wenn ich nicht mit mehreren zusammen Lunchbreak mache und in ein Restaurant in der nähe gehe, dann ist direkt um die Ecke ein kleiner Park wo man super die Leute beobachten und die Sonne genießen kann. Oder man geht ein paar Schritte mehr und setzt sich an die Bay und genießt sein Mittagessen mit Blick aufs Wasser. Sehr pünktlich sind alle im Büro eigentlich nicht gerade, aber es stört keinen, wenn man ca. 15 min später kommt, aber es rennt auch keiner um Punkt 5pm aus dem Gebäude. Aber da wir deutschen ja bekannt dafür sind, dass wir pünktlich und ordentlich sind, möchte ich niemanden enttäuschen und bin immer schon 10 min vor allen andern im Büro (was aber zum größten Teil daran liegt, dass meine Bahn so früh ankommt).

Mein Office   Pausenraum

Ich arbeite jetzt schon zwei Wochen hier und es ist genial. Alba hat mich schon mehrfach zum Essen eingeladen und mich in der Gegend rumgeführt und Fraser kam eines Morgens auf mich zu und ist mit mir Kaffee trinken gegangen. Wir haben uns leicht verquatscht und sind erst 2 Std später wieder im Büro aufgetaucht, was keinen störte. In den nächsten 2 Wochen treffe ich mich mit 3 verschiedenen Bands, um sie zu interviewen und nebenbei arbeite ich weiter an meinem Projekt, worauf ich schon positive Reaktionen bekommen habe. Ach und ich habe vergessen zu erwähnen, dass ich freitags frei habe, kann es also noch besser sein?

Inzwischen war ich beim Palace of Fine Arts und habe mich verliebt. Dieser Park ist wunderschön und könnte gut meine Lieblingsstelle in San Francisco werden. Vom Palace hat es mich zum Yacht Hafen getrieben, wo es ziemlich windig war, man aber eine super Sicht auf die Golden Gate Bridge hatte. Ich konnte beobachten, wie der Nebel sich langsam der Brücke näherte und sie dann verschluckte.

Palace of Fine Arts Palace of Fine Arts Palace of Fine Arts Palace of Fine Arts Palace of Fine Arts Golden Gate Bridge Golden Gate Bridge

Zu Ostern mussten alle Arbeiten, da sie das hier nicht so zelebrieren wie in Deutschland, außer vielleicht in Texas. Aber Ostersonntag waren alle draußen unterwegs. Ich war bei der Cherry Blossom Parade in Japantown, wo ich zwar den Bürgermeister von SF, den Polizei- und Feuerwehrchef, den kalifornischen Senator, Schönheitsköniginnen und viele tolle Kostüme gesehen habe, aber mir auch leider einen richtig schönen Sonnenbrand holte.

Senator Mark Leno

Letzten Donnerstag war ich das erste Mal in einem Waschsalon, was lustig und peinlich zugleich war. Hätte mich jemand beobachtet, hätte derjenige sich bestimmt kaputt gelacht. Am Anfang bin ich etwas ziellos hin und her gelaufen (fast wie ein kopfloses Huhn), um mich zu orientieren und zu begreifen wie alles funktioniert und dann ging es los mit dem warten, aber irgendwie hab ich gar nicht bemerkt, dass ich auf einmal durch den Laden tanzte, bis jemand durch die Tür kam und mich verdutzt anstarrte. Peinlich berührt starrte ich wieder auf meine Waschmaschine, aber die junge Frau lächelte mich an und wir hatten ein sehr nettes Gespräch, bis meine Wäsche fertig war.

Auch das Essen ist hier ein kleines Abenteuer. Ich dachte ich bin mal ganz amerikanisch und bestell mir eine Pizza, da ich in der ersten Woche noch nicht zum einkaufen gekommen war. Im Internet fand ich dann auch ganz schnell einen Pizzaservice, aber so viele verschiedene Möglichkeiten eine Pizza zu bestellen habe ich noch nie gesehen. Bei der Hälfte der Sachen hatte ich keine Ahnung was gemeint war, also bestellte ich auf gut Glück einfach irgendwas. Das hätte ich besser lassen sollen, denn als diese kam, wog sie ungelogen mehrere Kilogramm, obwohl die eine Hälfte nur eine Margarita war. Da diese Monsterpizza auch nicht gerade geschmacklich mein Fall war, schenkte ich sie einem Obdachlosen, der gerade in einen Müllcontainer gesprungen war, um ein paar Pfandflaschen zu finden.

Auch mein nächstes Essensexperiment in Amerika ist schief gegangen. Eva, meine Vermieterin, ist mit mir in einen großen Supermarkt gefahren und hat mir ein bisschen von den amerikanischen Essgewohnheiten erzählt. Nicht gerade eine Gesundheitswerbung, aber man ist ja aufgeschlossen, also erklärte ich mich bereit Toaster Strudels zu probieren. Anscheinend ein sehr beliebtes Frühstück für Kinder. Als ich in einen hineinbiss konnte ich es nicht glauben, sie schmecken nur nach Zucker und Pappe, richtig ekelhaft.  Also ich bleib dann doch lieber bei Obst und Müsli.

Aber es ist nicht nur alles Sonnenschein in SF, im wahrsten Sinne des Wortes hat es gestern heftig geregnet, mich einmal komplett von oben bis unten nass gemacht und somit meine Pläne zerstört und heute nach einem schönen, aber anstregenden Tag in der Stadt hat mein blöder Computer 52 meiner schönsten Bilder zerstört. Somit müsst ihr vorlieb mit den übrig gebliebenen Bildern nehmen, bis ich nochmal  zur Grace Cathedral am Nob Hill laufe und den besten Platz im Cable Car bekomme, um zur Lombard Street zur fahren. Dies wird aber nicht so schnell passieren, da sich meine Beine im Moment leider noch zu gut an die Steigung erinnern. 

Aber zum Fort Mason und den Hafen zu gelangen, das werde ich bestimmt nochmal schaffen. Auch der Golden Gate Park sollte kein Problem darstellen, da ich ja quasi darin wohne... Allerdings findet im Moment eine offizielle Woche des Tanzes statt (da passt meine Waschsalon Einlage ja ganz gut rein) und heute gab es mehrere kleine Tanzaufführungen, von den Companien von SF und Umgebung, im Park. Was zu vernachlässigen wäre, da diese Bilder sowieso nicht sehr gut geworden sind (habt ihr schon mal versucht sich bewegende Menschen genau im richtigen Moment abzulichten und wusstet aber nicht was sie als nächstes tun? Gar nicht so einfach kann ich euch sagen!).

Aber um die Bilder vom Japanese Tea Garden trauere ich ein bisschen, da ein paar richtig schöne Bilder unter denen waren, die jetzt für immer im Microsoft-Himmel leben müssen, anstatt mit euch allen geteilt zu werden...

Japanese Tea Garden  

Das war´s dann mal wieder von mir. Ich hoffe ich habe euch mit meinen Ausführungen nicht gelangweilt und ihr wartet schon gespannt auf meinen nächsten Bericht.

Turbulenzen, Blasen und Sonnenschein

Donnerstag, 10.04.2014

Um 07:30 Uhr am 07.04.2014 war es endlich soweit, ich musste aufstehen um nach San Francisco zu fliegen. Endlich am Flughafen Frankfurt angekommen musste ich feststellen, dass unsere Waage zuhause nicht sehr genau ist, denn ich hatte mehrere Kilo Übergepäck  also schnell alle Koffer am Schalter auspacken und entscheiden, was hier bleiben soll. Nach mehrfachem hin und her, wurden meine Koffer von der netten Dame von Air Canada angenommen und die nächste Hürde stand an. Nachdem ich mich von meinen Eltern verabschiedet hatte, musste ich meinen Sitzplatz umbuchen, da ich mit meinem schlechten Bein nicht in der Mitte der Reihe sitzen kann. Aber die Änderung war kein Problem, obwohl der Flug ausgebucht war.

Mit 40 Minuten Verspätung ging es dann endlich los in luftige höhen, aber der Flug wurde alles andere als angenehm, obwohl ich super Beinfreiheit am Notausgang hatte. Auf dem 10 stündigen Flug nach Calgary durften wir uns nur eine halbe Stunde von den Gurten lösen, da die Turbulenzen zu heftig waren. Selbst die Flugbegleiter waren nur ca. eine Stunde auf den Beinen. Was ein logistisches Problem darstellte, da in dieser Zeit das Essen und die Getränke serviert werden mussten und die ganzen Leute die versuchten sich an den Wagen vorbei zu quetschen, um zur Toilette zu kommen. 

Aber endlich hatten wir es geschafft und sind etwas durchgeschüttelt, aber heil in Calgary gelandet. In Calgary lag überall Schnee und es war kalt, aber kurz frische Luft zu schnuppern tat richtig gut, bevor der Marathon auf ein Neues losging. Koffer vom Gepäckband holen, durch den kanadischen Zoll und dann herum irren, um zur US - Abfertigung zu kommen. Anscheinend halten die Kanadier nicht viel von Schildern, aber dafür sind sie richtig freundlich und hilfsbereit. Als ich endlich durch den US-Zoll und Check-up war, konnte es weiter gehen zur Sicherheitskontrolle der US-Grenze. Was komisch war, da ich mich ja noch in Kanada befand, aber ich dachte mir „ go with the flow“. Bis auf Kleid und Strumpfhose musste ich alles ausziehen (selbst meinen BH). Dann in einen von diesen neuen ganz Körperscannern, aber anscheinend reichte das noch nicht und ich wurde zur Seite, in eine kleine Nische, gebracht, wo mich eine nette Dame näher kennenlernte als wir beide wollten.

Endlich saß ich im nächsten Flieger Richtung San Francisco und hoffte, dass ich auf diesem Flug etwas Schlaf bekommen würde, aber es war eine kleine Propeller Maschine und auch hier ruckelte es gewaltig, aber dafür war die Aussicht super.

Die Bergketten um Calgary San Francisco beim Landeanflug  Bay Area im Landeanflug

Um 8:30pm in San Francisco gelandet (was in Deutschland 4:30am entspricht) und kurzer Hand entschieden durchgeschwitzt, fertig und müde wie ich war, mir ein Taxi zu meinem Host zu gönnen, da dieser um 9pm die Wohnung verlassen wollte und ich ja irgendwie reinkommen musste. Der Taxifahrer war so wie man ihn sich vorstellt. Kaum war ich eingestiegen, da fing er schon an ohne Punkt und Komma von seiner geliebten Stadt zu erzählen und mich nach meinem Leben auszufragen.

Am nächsten Tag bei sonnigen 27°C, nach einem sehr erholsamen Schlaf, in die Stadt gedüst und mit einem US-Handy und Nummer eingedeckt. Dann bin ich nach einem kurzen Abstecher ins Visitor Center (auch hier wieder keine Schilder, aber sehr nette Polizisten) losgelaufen, um die Stadt ein wenig zu erkunden.

Zuerst hat es mich nach Chinatown verschlagen, welches mehr als 8 Blocks einnimmt. San Francisco hat die größte Population von Chinesen in den USA, weswegen in manchen Bussen auch die Haltestellen in Mandarin angesagt werden.

Chinatown Gate Chinatown Chinatown Chinatown

Nachdem ich die Straßen Berg rauf und runter gewandert bin, mit Zwischenstopps am Washington Square Park und dem Coit Tower, kam ich am Pier 33 an. Ich nahm die Fisherman´s Wharf genauer unter die Lupe. Alcatraz Island, der berühmte Pier 39 mit den Seelöwen und einen ersten Blick auf die Golden Gate Bridge. Es wurde langsam dämmerig und meine Füße fingen an zu schmerzen, da ich mir mehrere Blasen gelaufen hatte (falsche Schuhe…), fuhr ich zurück zur Market Street mit dem Cable Car, ganz Stilecht. Es ist auf jeden fall ein Erlebnis an einem Cable Car außen mitzufahren, besonders, wenn es Bergab geht und ein anderer Wagen einem entgegen kommt, kann es schon ganz schön knapp werden. Heil an der Hauptstrasse gelandet ging es direkt weiter zum Alamo Square und den ganzen alten Victorianischen Häusern.

Alamo Square Häuserwand Victorianisches Haus Fisherman´s Wharf Alcatraz Island Pier 41 Cable Car Turn around Pier 39 Golden Gate Bridge in der Ferne Golden Gate im Nebel

Die Menschen hier sind sehr freundlich, aufgeschlossen und hilfsbereit, außer bei den Verkehrsanbindungen, da sie sich meist selbst nicht besonders auskennen. Aber inzwischen habe ich das Transitsystem einigermaßen verstanden, auch wenn manche Haltestellen gar nicht ausgewiesen sind. Der beste Weg eine Stadt wirklich kennenzulernen, ist wenn man sich verfährt und in Gegenden kommt, an die man nie gedacht hätte.

Auf dem Weg eine Wohnung zu finden kam ich inzwischen auch an der City Hall und dem UN Plaza vorbei, wo gerade ein Wochenmarkt stattfand. Dort konnte man jede Obstsorte kaufen an die ich denke konnte. Richtig lecker, also werde ich nicht nur Fastfood essen müssen wie zuerst angenommen.

City Hall President Lincoln Hobart Building Washington Square Transamerica Pyramid

Die Wohnungssuche hingegen gestaltet sich etwas schwieriger als gedacht, aber was erwartet man auch in einer beliebten Millionenstadt mit vielen Universitys und Colleges… Bisher bin ich von Couchsurfhost zu Couchsurfhost gewandert, aber da mein Praktikum am Montag anfängt und ich nicht jeden Tag mit meinen Plünnen umziehen kann, bin ich jetzt erstmal in ein Hostel umgezogen. Evtl. kann ich Dienstag in ein wunderschönes Zimmer am Golden Gate Park einziehen, aber das weiß ich erst am Sonntag, also Daumen drücken 

Jetzt seid ihr erstmal auf dem neusten Stand was mich betrifft.

Liebe Grüße aus dem sonnigen Californien!

P.S.: Ach eins noch, wer alles eine Postkarte aus San Francisco möchte, schreibt mir einfach eure Adressen, dann werde ich dies gerne tun